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Brasilien FAQ

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Frequently Asked Questions – die wichtigsten Fragen zu Brasilien, bzw. meinem Austauschjahr.

Das soll allerdings nicht heißen, dass ihr mir keine persönlichen Fragen stellen sollt! Also, bei allem was ihr hier nicht finden könnt, worüber ihr gerne noch mehr wissen möchtet oder was ihr nicht so genau versteht – einfach nachfragen, ich helfe wirklich gerne :).

Natürlich sind alle meine Antworten subjektiv. Wenn ich etwas sage, kann es in anderen Gegenden/in anderen Familien ganz anders sein. Es sind schließlich nur meine eigenen Erfahrungen. Nagelt mich also bitte nicht wortwörtlich fest, ok? Brasilien ist schließlich so ein großes Land, allgemeine Urteile wären da etwas viel verlangt.

Vor dem Abflug

green02_next.gifWas für Gastgeschenke soll ich mitnehmen?
green02_next.gifSoll ich irgendwas Besonderes mitnehmen?

Sprache/Verständigung

green02_next.gifKonntest du bei deinem Abflug nach Brasilien schon Portugiesisch?
green02_next.gifWie hast du dich am Anfang verständigt?
green02_next.gifWie lange hat es gedauert, bis du dich einigermaßen verständigen konntest?

Familie/Freunde/Bekannte

green02_next.gifIst es leicht, Kontakt zu den Brasilianern herzustellen?
green02_next.gifBin ich zu schüchtern für so was?
green02_next.gifWie lange hat es gedauert, bis du Freunde hattest?
green02_next.gifHast du noch Kontakt zu deiner Familie/Freunden?

Schule

green02_next.gifWie ist das mit dem Schulsystem?
green02_next.gifMuss ich noch extra Schulgeld zahlen?

Alltag in Brasilien

green02_next.gifIst die Mentalität sehr anders?
green02_next.gifSind die Leute dort wirklich so arm? Wie bist du damit umgegangen?

Feste in Brasilien

green02_next.gifKarneval in Brasilien?
green02_next.gifWeihnachten in Brasilien?

Wieder in Deutschland

green02_next.gifFiel dir die Wiedereingewöhnung in Deutschland schwer?
green02_next.gifHast du die 11. Klasse in Deutschland wiederholt?

Sonstiges

green02_next.gifWo platzieren die Organisationen?
green02_next.gifMalaria-Prophylaxe?
 
green02_next.gifHattest du Heimweh?

 

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Vor dem Abflug

Was für Gastgeschenke soll ich mitbringen?

Immer eine schwierige Sache. Meiner Meinung nach darfs ruhig "typisch deutsch" sein, bzw. bei mir wars eher "typisch bayerisch" (und man kann schon sagen, dass viele Brasilianer durchaus auf Kitsch stehen). 
Sachen aus deiner Region (ich hatte sone bedruckte Tischdecke dabei und ne Glasschüssel), Süßigkeiten wie Haribo Sachen und Schokolade (Schokolade kommt wirklich gut an!), Maoam etc. Für Jungs und Väter ist man mit Fußballsouvenirs selten verkehrt. Mein Bruder hat sich sehr über das FC Bayern Baseballcap gefreut (dabei mag ich FC Bayern doch gar nicht..), für Mädchen so Nici-Schlüsselanhängertierchen. Seifenblasen, Schlüsselanhänger mit Kitschbildern (jaaa Neuschschwanstein z.B.), CDs mit dt. Musik, T-Shirts aus ner Stadt wie München (bei mir halt). Ein Bildband über Deutschland wär auch noch ganz nett (aber einer mit vielen Bildern ;-) ), dann könnt ihr gleich noch etwas besser beschreiben, wie es bei euch daheim aussieht.
Gerade bei Süßigkeiten, T-Shirts und anderen Kleinigkeiten ist der Transport eben sehr praktisch, da das Zeug nicht allzuviel wiegt und auch nicht viel Platz wegnimmt.


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Soll ich irgendwas Besonderes mitnehmen?

Vorneweg: Das allermeiste bekommt man auch in Brasilien ohne Probleme. Ein paar Ausnahmen gibt es trotzdem: Vollkornbrot (allerdings ist es auch etwas kompliziert mitzunehmen.. v.a. für ein ganzes Jahr!), Sauerkirschen im Glas (na gut, das überlebt man schon) - sonst fällt mir grad nicht so viel ein..
Ich hatte meine ganzen Filme für den Fotoapparat schon in Deutschland eingekauft (damals noch keine Digitalkameras...) und das war auch gut so. Den Filme waren damals in Brasilien um einiges teurer, als wenn ich sie hier beim Aldi kaufe. Auch ein Vorrat an Batterien mitzunehmen schadet nicht. Diese Preisverhältnisse könnten sich allerdings durch den niedrigen Real inzwischen geändert haben - keine Ahnung.
Bei mir im Ort war es etwas kompliziert O.B.s in Großpackungen zu bekommen, die gabs nur in Minipackungen von 12 Stück oder so. In einer Großstadt dürfte das natürlich kein Problem sein, aber sonst schadet es nicht, sich schon in Deutschland mit Vorratspacks einzurichten.

Womit ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe, war eine Mappe mit Fotos von meinen Freunden in Deutschland, von meiner Familie, unserem Haus, meinem Ort etc. Gerade am Anfang ist es leichter, Dinge zu erklären, wenn man Fotos mit dabei hat. In der Schule scharten sich bei mir jedenfalls alle um diese Mappe und es gab dann auch genug Gesprächsstoff. Sowas ist also auch durchaus gut für die Kontakte :). Bei den Fotos gilt: Auch ganz alltägliche Dinge fotografieren: die Schule, die Straße in der du lebst, deinen Ort/Stadt. Besondere Faszination üben auch Winterfotos aus. Also schon frühzeitig mit dem Fotografieren anfangen (was ich natürlich nicht gemacht hatte..).


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Sprache/Verständigung

Konntest du bei deinem Abflug nach Brasilien schon Portugiesisch?

Sehr sehr wenig. Ich hatte mir von Langenscheidt einen Sprachkurs gekauft, den ich allerdings nie benutzt habe.
Zu meinem Glück bot die VHS in einer nahen Stadt einen Portugiesisch-Kurs an. Noch mehr Glück war, das den Kurs eine Brasilianerin leitete, d.h. der Kurs war auf brasil. Portugiesisch ausgerichtet (was natürlich besser ist als "echtes" Portugiesisch. Das wäre aber immer noch besser als nichts!). Dort lernte ich dann wenigstens so halbwegs, wie man etwas ausspricht und die einfachsten Sätze, die man so braucht. Leider konnte ich den Kurs nicht mal zu Ende machen, da mein Flug schon früher ging. Am Ende wusste ich immerhin wie man regelmäßige Verben im Präsens konjugiert, konnte sagen wie ich heiße, dass ich aus Deutschland komme, eine Austauschschülerin bin und kein Portugiesisch spreche. Das wars dann aber auch schon. Von Sprechen und Verstehen konnte noch keine Rede sein.


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Wie hast du dich am Anfang verständigt?

Ich habe mich am Anfang halt mit Englisch durchgeschlagen, wobei bei mir in der Familie nur meine Schwester und meine Mutter ein bisschen Englisch sprachen, in meiner Klassen warens ganze 3 Leute (der Englischunterricht in der Schule ist sehr schlecht; viele machen deshalb noch extra Sprachkurse außerhalb der Schule). Da nur so wenige Englisch konnten, lernt man sehr schnell, wirklich. Natürlich ist es anfangs nervig, wenn man nichts mitkriegt, aber das ändert sich schnell.
So schnell wie im Land lernt man die Sprache sonst nie. Du hörst den ganzen Tag Portugiesisch und musst es ja irgendwie sprechen, weil du dich verständigen willst. Oft gibt es von der Orga auch anfangs noch etwas Sprachunterricht (bei mir schon, war ganz praktisch wg. Grammatik).
Für den Anfang bleibt aber natürlich ein kleines Wörterbuch unerlässlich. So viele gibt es da für brasil. Portugiesisch nicht. Ich hatte das Langenscheidt Universalwörterbuch Brasilanisches Portugiesisch. Das ist ein kleines und sehr handliches Büchlein. Natürlich lange nicht vollständig, aber für den Anfang unverzichtbar. Außerdem hatte ich noch das "Kauderwelsch Brasilianisch Wort für Wort". In dem steht auch noch etwas zu Land und Leute, nicht alles ernst zu nehmen, aber für den Anfang stehen schon ein paar wichtige Sätze drinnen.


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Wie lange hat es gedauert, bis du dich einigermaßen verständigen konntest?

Im Rückblick etwas schwierig zu sagen.. Aber ich denke, nach 2 Monaten war ich soweit, dass ich alles sagen konnte, was ich wollte und auch fähig war, das meiste zu verstehen (natürlich mit Nachfragen bei vielen Dingen). Es war sicher nicht die schönste Ausdrucksweise und grammatikalisch alles richtig, aber ich wurde verstanden.
Nach 5 Monaten ist man voll dabei. Danach kommen natürlich immer noch kleine Verbesserungen, grammatikalische Feinheiten und ein immer größerer Wortschatz. Aber das meiste hat man nach 5,6 Monaten schon würde ich sagen.
(Meine Gasteltern behaupten zwar immer noch, dass ich nach 1 Monat fließend Portugiesisch gesprochen habe, aber so stimmt das nicht. Ganz sicher nicht *gg*)


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Familie/Freunde/Bekannte

Ist es leicht, Kontakt zu den Brasilianern herzustellen?

Ein eindeutiges JA. Man wird kontaktiert, alle bestürmeen einen mit Fragen (die man anfangs leider nicht wirklich versteht, außer es kann doch jemand Englisch), sowohl Freunde der Gastgeschwister, als auch Geschwister und Eltern natürlich. Es wird einem alles gezeigt, noch in meiner ersten Schulwoche hat mich ein Mädchen mir mal eben schnell sein Zuhause gezeigt (sie wohnte nahe bei der Schule), dabei verstand ich sie noch nicht mal wirklich.. Ich wurde überallhin eingeladen, auf Partys mitgenommen..
Wobei es natürlich da schon auch Unterschiede gibt - es gibt ja auch schüchterne Brasilianer oder einfach welche, die sich nicht so sonderlich für dich interessieren. Es war ganz komisch, bei den Leuten meiner Schule war das überhaupt nicht so, aber als wir mal auf einem Churrasco von Leuten von einer anderen Schule waren habe ich das bemerkt.. ich glaub ich hab mich auf dem ganzen Churrasco mit vielleicht 3 Leuten außer meiner Gastschwester unterhalten. Wobei das auch einfach daran liegen kann, dass ich mit den Leuten auch nicht wirklich auf einer Wellenlänge lag.
Jedenfalls sollte der Kontakt kein Problem sein, wenn man halbwegs offen und freundlich auf die Menschen zugeht - und wofür ist man denn sonst da, oder?


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Bin ich zu schüchtern für so was?

Diese Frage habe ich mir vor Beginn meines Jahres oft gestellt. Ich hielt mich eigentlich für relativ schüchtern in Deutschland, nicht gegenüber meinen Freunden, aber was das Kennenlernen anderer Leute betrifft auf alle Fälle. Aber das ist wirklich kein Problem in Brasilien - die Leute gehen von alleine auf dich zu, sie wollen so viel wissen, sie kümmern sich wirklich lieb um dich.. du kommst also praktisch gar nicht aus. Man wird dann mitgerissen von der Art der Brasilianer und nimmt etwas dieser Art, dieses "jeitinhos" dann auch einfach mit.. Dadurch verhält man sich natürlich nach einer Eingewöhnungszeit anders als in Deutschland, bei mir war das jedenfalls so.
Ich wurde offener, es wurde leichter mit fremden Leuten zu reden etc.

Kein Austauschschüler wirkt langweilig - du bist schließlich schon was Besonderes (ich weiß nicht wie das in großen Städten ist, aber selbst da kann ich es mir eigentlich wirklich nicht vorstellen!)

Natürlich gibt es ganz verschiedene Menschen, so war ja noch ein dt. Mädchen, Julia, in meiner Stadt. Sie ist ganz anders als ich, geht auf alle zu, ist kein bisschen schüchtern usw. natürlich hat sie viel mehr Leute noch als ich kennengelernt, aber mir reichen eigentlich die, die ich getroffen habe. Denn ich hatte vielleicht einen kleineren Freundeskreis als sie, dafür aber einen engeren. Da muss eben jeder selbst entscheiden was für einen selbst wichtig ist.. wir haben uns beide sehr gut verstanden und es war immer interessant uns auszutauschen.

Natürlich muss man sich manchmal zwingen, auf andere zuzugehen. Natürlich gibt es Tage an denen du denkst, du schaffst es nicht, grad am Anfang. Mein erster Schultag war schrecklich - eine Lehrerin meinte ich sei ja wohl schüchterner als die andere Deutsche und ich hab kein Wort geredet.. habe mir am Abend vorgenommen am nächsten Tag alles anders zu machen. Und ich habe mich bemüht mit den Leuten zu reden (viel wars ja nicht wegen der Sprache..) und siehe da - es hat funktioniert! Man muss manchmal einfach über seinen Schatten springen. Dann funktioniert das auch. Also: Mut an alle :).


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Wie lange hat es gedauert, bis du Freunde hattest?

Also bis ich die ersten Bekanntschaften hatte, dauerte es vielleicht eine Woche. Allerdings waren das fast alles Freunde meiner Gastschwester (die ja genauso alt ist wie ich). Mit einigen verstand ich mich wirklich ganz gut, anderen hatte ich eigentlich nicht sonderlich viel zu sagen. Die Kontake zu denjenigen verblassten dann auch recht schnell wieder.
Gleichzeitig beginnt man, eigene Wege zu gehen und eigene Kontakte zu knüpfen. Bei mir ging das über die Langeweile im Bio-Unterricht, die mich aufs engste mit einem Mitschüler, Bruno verband (hehe). Wir teilten uns die Bücher und machten Scheiß. Durch Bruno lernte ich andere Mitschüler besser kennen, mit denen ich mich zwar mal unterhalten, aber eben sonst nichts unternommen hatte. Ich fühlte mich wohl in dieser Gruppe, Dê wurde meine beste Freundin, Bruno mein bester Freund. Nicht nur durch Bruno, auch durch Emerson, mit dem ich seit Oktober zusammen war, lernte ich die Leute eben besser kennen. Nach 4 Monaten hatte ich also meinen eigenen Freundeskreis gefunden, unabhänging von dem meiner Schwester. Wobei ich den Kontakt nicht abbrach - ich mochte die anderen ja auch sehr gern. Aber die Vertrautheit, wie ich sie bei Naraiana, Dê, Bruno, Thamara, Lila usw. fand, war eben da nicht so da. Nach einem halben Jahr wurden die Klassen neu durchmischt, da lernte ich dann nochmal zwei sehr liebe Freundinnen kennen: Suelem und Fernanda.


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Hast du noch Kontakt zu deiner Familie/Freunden?

Jetzt ist mein Austauschjahr 1 1/2 Jahre her, mit allen habe ich nicht Kontakt gehalten, aber das wäre wohl auch unmöglich.
Mit meiner Familie telefoniere ich regelmäßig und schreibe Briefe, die Verbindung hält. Ich habe auch keinerlei Zweifel, dass sie noch viele viele Jahre hält - ich habe mich wirklich hervorragend mit ihr verstanden und bin Teil von ihr geworden. Das hab ich ja auch bei meiner Rückkehr im Sommer 03 gesehen. Auch mit meiner Kusine Juliana habe ich immer noch Kontakt.
Mit Emerson habe ich ebenfalls noch guten Kontakt, wir telefonieren, schreiben Emails und Briefe. Auch von vielen meiner Freunde höre ich zwar nicht regelmäßig, aber doch immer mal wieder was. Es hat also gehalten :).


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Schule

Wie ist das mit dem Schulsystem?

Ich glaube die Schule kann recht unterschiedlich sein in Brasilien. Es kommt teilweise auf die Schule an, ob ihr Ganztagsunterricht haben werdet, teilweise Nachmittagsunterricht oder - so wie ich - nur ganz normal am Vormittag.

Allgemein kommt man in Brasilien erst mal in die escolinha - das ist sowas wie Vorschule und Kindergarten zusammen. Dann in die 1. - 8. Das ist der "Grundstock", schon hier gibt es Unterschiede: nämlich Privatschule oder öffentliche Schule. Private sind normalerweise um einiges besser (anders als bei Unis, da sind die "federais" also öffentlich besser als die privaten, aber das nur nebenbei). Anschließend - sofern man weiterhin die Schule besucht, schließt sich das "Ensino Medio" an, also sowas wie die Oberstufe. Es besteht aus 3 Jahren. Oft werden die ersten 8 Jahre auf ner öffentlichen Schule gemacht um dann die letzten 3 auf einer privaten zu machen (da arbeiten die Eltern sehr dafür um sich das leisten zu können..)
Austauschschüler kommen normalerweise auf Privatschulen. Ich war auf einer kath. Schule, vom Standard wohl so Mittel - nicht so sehr teuer, was ich ganz gut fand - dann ist man nicht nur mit den ganzen "elitären", reichsten Leuten zusammen. Vom Niveau her - das war ganz unterschiedlich, z. B. waren Bio und Physik gleichwertig, Mathe und v.a. Chemie ist in Deutschland sehr viel besser.. kommt wohl auf Lehrer und Schule an.
Das Schuljahr beginnt im Februar, man hat im Winter (also Juli-August) 2 Wochen Ferien, dafür aber 2 Monate im Winter (Dez-Januar) und zu Carnaval nochmal. Bei uns fing die Schule morgens um 7 an, jede Schulstunde hatte 55 Minuten. 6 Stunden pro Tag bei einer Pause :) Keine Ahnung, ob das überall so ist.

Man hat einen festen Stundenplan, also nicht wie in den USA, wo man sich da Fächer aussuchen kann. Die Fächer sind in etwa die gleichen wie in Deutschland auch.. Portugiesisch, Literatur, Mathe, Bio, Chemie, Physik, Reli bzw. Philosophie, Kunstgeschichte, Sport, Geschichte, Erdkunde. Ich glaub das war das, was ich hatte.. Nachmittags gabs freiwillig Sportgruppen wie Volleyball, Fußball, Handball. In größeren Städten gibt es da noch mehr Möglichkeiten. Oft haben die großen Privatschulen eigene Schwimmbecken und riesige Sportplätze.
Das Verhältnis von Schülern zum Lehrer war bei uns sehr gut, besser als in Deutschland und viel persönlicher.

Ich bin gerne in die Schule gegangen, auch wenn sie irgendwelche komischen Vorschriften hatten (z.B. sollte ich keine grünen Turnschuhe anziehn, sondern lieber graue - (Schuluniform war bei uns ein Jogginganzug *g*, oft ists nur ein Schul-T-shirt) oder dass man seinen Freund in der Schule nicht küssen durfte etc. aber bitte... ). War ne schöne Zeit.


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Muss ich noch extra Schulgeld zahlen?

Normalerweise nicht. Viele Schulen nehmen Gastschüler umsonst auf (so war das auch bei meiner), als Ehre sozusagen. Bei den anderen dürfte das Schulgeld schon im Preis des Austausches mit drin sein. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass der Austauschschüler selbst dafür aufkommen müsste.


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Alltag in Brasilien

Ist die Mentalität sehr anders?

Ja,ist sie. Sehr viel offener, freundlicher, aber auch manchmal etwas aufbrausend (heißblütig eben ;-) ). Ohne Musik läuft wenig in diesem Land, sehr viele tanzen sehr gerne, lachen viel, gehen oft weg. Selbst ärmere Leute finden immer noch die positiven Seiten an ihrem Leben (wo in Deutschland schon viele jammern würden) - sehr bewundernswert wie ich finde. Nicht wirklich pünktlich und oft chaotisch. Zuviel möchte ich gar nicht sagen - überzeugt euch einfach selbst. Jeder Brasilianer ist anders, nicht alle mögen Fußball (aber viele), nicht jeder tanzt Samba - ich denke, es ist das beste, sich sein eigenes Bild zu machen. Ich hoffe, es wird ein positives sein.


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Sind die Leute dort wirklich so arm? Wie bist du damit umgegangen?

Brasilien ist wirklich ein Land voller Gegensätze, man kommt sehr viel mehr mit Armut in Berührung als hier. Wie stark du damit allerdings in Berührung kommen wirst, hängt davon ab, wo deine Gastfamilie lebt, in welchen Stadtteilen etc. Im Süden ist der Gegensatz zwischen Arm und Reich z.B. nicht ganz so groß.
Auch in kleineren Städten ist das Verhältnis anders. In meiner Stadt gab es keine favelas - aber doch Stadtteile mit ärmerer Bevölkerung. Da bin ich auch immer mit dem Bus durchgefahren und es sieht durchaus so aus, wie man sich das vorstellt.. staubige Straßen, teilweise keine verputzten Häuserwände, Müll vor der Tür.. allerdings habe ich selbst in einem nicht so "guten" bairro gelebt, was aber in so ner kleinen Stadt nix zu bedeuten hat (von wegen Kriminalität oder sonstwas).

Wie man damit umgeht.. Es ist komisch, in der Stadt Menschen zu sehen, die praktisch auf dem Bürgersteig wohnen.. es ist schwierig damit umzugehen. Die hab ich allerdings eben auch nicht jeden Tag gesehn. Die Armut bei mir in der Stadt - so schlimm es klingt - man gewöhnt sich dran. Außerdem ist man fasziniert von dieser Lebensfreude und Fröhlichkeit, die diese Menschen ausstrahlen.
Mit ganz ganz "Armen" bin ich allerdings kaum direkt in Berührung gekommen. Mit "Ärmeren" natürlich schon. meine beste Freundin würde man hier wohl als arm bezeichnen. Denn hier ist es ja nicht "normal", dass sich 4 Mädchen einen Schrank teilen (und die Kleider darin), alle in einem Zimmer schlafen, kaum weggehn, geschweige denn wegfahrn können. Aber dort sind sie nicht arm, und würden wohl böse werden, wenn man sie so nennen würde. Aber die Verhältnisse sind schon ganz anders als hier.

In meiner kleinen Stadt gibt es auch keine bettelnden Kinder oder so. In größeren natürlich. Und irgendwann macht man es wie Brasilianer.. man unterhält sich manchmal mit ihnen, wenn sie Geld für Essen wollen, geht man mit ihnen und kauft ihnen etwas zu Essen, aber gibt ihnen nicht das Geld (damit sie wirklcih auch was zu Essen dafür kaufen)
Wobei das mit Straßenkindern wirklich schwierig ist - ich kann nicht gut damit umgehen. Aber leider stumpft man da mit de Zeit etwas ab. In meinem täglichen Leben hat mnich das jetzt allerdings nicht so wahnsinnig berührt.


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Feste in Brasilien

Karneval in Brasilien

Ausnahmezustand im ganzen Land. Karneval in Rio ist wohl jedem ein Begriff. Diese Art von Karneval mit den Umzügen der Sambaschulen gibt es eigentlich nur in Rio. (Sao Paulo hat in den letzten Jahren etwas nachgezogen). Sonst sieht der Karneval in Brasilien etwas anders aus.

Der größte Straßenkarneval findet in Recife (Nordosten) statt. Dort ziehen "trio eletricos" durch die Straßen, Trucks mit riesigen Boxen, ausschwenkbaren Bühnen etc. Darauf spielen und tanzen die berühmtesten Axé-Bands des Landes. Von Recife ziehen sie nach Salvador, der Karneval dort ist ebenfalls sehr bekannt. Dort spielen die "blocos" eine große Rolle. Das sind praktisch Karnevalsgesellschaften, viele Trommlergruppen, v.a. von Schwarzen gegründet und waren früher eine Art für die afrikanischstämmigen Brasilianer, sich auszudrücken. Daraus entwickelte sich "Axé", was so viel wie "Lebensfreude" bedeutet (oder aber auch "Kraft", ein Wort afrikanischen Ursprunges) Mehr Infos gibts hier.

Jede Region hat ihre Karneval-Hauptstädte (bei uns z.B. Ouro Preto), wo sich Massen durch die Straßen schieben, es wird viel getrunken, viel getanzt, wenig geschlafen. Ich habe Karneval in Piuma in Espirito Santo verbracht, einer relativ kleinen Stadt am Meer, die zu Karneval aber regelrecht überrant wird. Zur Karnevalszeit war ich schon bei meiner 2. Familie, wir sind alle zusammen auf die Straße, waren aber sogesehen unter "Beaufsichtigung". Überhaupt war diese Familie sehr besorgt und hielt nichts von übermäßigem Alkoholkonsum. Ok, es ist für zwei Mädchen auch nicht immer ganz einfach in diesen Menschenmassen, es wird viel gebaggert, viel gegrabscht etc. Mit meiner ersten (mir lieberen) Familie wär Karneval sicher lustiger gewesen *gg*.


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Weihnachten in Brasilien

Weihnachten war der einzige Tag an dem ich Heimweh hatte. Wir sind in die Stadt meiner Oma gefahren, wo auch Tanten und Onkel hinkamen. Heilig Abend war nichts - wir saßen noch vorm Fernseher und dann hat jeder jedem sein Geschenk gegeben. Meine Schwester ist dann abends noch in die Disco, ich hatte keine Lust und bin ins Bett. Das wars. Am 1. Weihnachtsfeiertag haben wir dann noch bei der Oma gegessen und sind danach aufs Sitio gefahren. Dort war ein Großteil der Familie zusammen gekommen, es gab ein Festessen und danach wurden Geschenke verteilt. Nicht jeder für jeden eins, sondern schon vorher hatte man seinen zu Beschenkenden mitgeteilt bekommen (so wie beim Wichteln also) und nur dem schenkte man dann etwas. (Außer die ganz Kleinen, die bekamen mehr). Das fand ich dann schon wieder schöner und etwas "festlicher". Insgesamt konnte man mein Weihnachten aber vergessen.

Das muss natürlich nicht so sein, bei vielen ist das Weihnachtsfest eben ein Fest der Familie. Die oft großen und verstreuten Familien treffen sich, spielen miteinander Karten, singen, schwimmen, spielen Fußball, kochen und sitzen stundenlang da und erzählen sich, was so passiert ist. Bei den Geschenken wird meistens nach Wichtel-Prinzip gehandelt - alle zu beschenken wäre wirklcih sehr viel geworden..
Achja, Weihnachtsbaum natürlich höchstens künstlich. In Shopping-Centers kann man sich aber mit Santa Claus fotografieren lassen. Immerhin.. ;-)


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Wieder in Deutschland

Fiel dir die Wiedereingewöhnung in Deutschland schwer?

Ein eindeutiges JA. Sehr schwer sogar. Ich vermisste Brasilien so, vermisste meine Familie, Freunde und Emerson natürlich. Hier umarmte mich keiner, wenn ich in die Schule kam, keine Küsschen rechts und links. Ich hörte kein Portugiesisch mehr, die Sprache, die ich doch so liebte. Ständig sprach ich von Brasilien, ging den anderen wahrscheinlich schon total auf die Nerven. Oder ich erzählte dann gar nichts mehr, aus Angst sie wieder zu nerven. War enttäuscht, auf so wenig Interesse an dem was ich erlebt hatte zu stoßen.
Ich bin in ein ziemliches Loch gefallen, nichts hat mir wirklich Spaß gemacht. Bei mir hielt das ziemlich lange an. Nach 6 Monaten ging es mir langsam besser. Aber es gibt immer noch Momente, in denen mir Brasilien einfach nur fehlt. Aber das ist wohl der Preis, den man für diese Erfahrungen bezahlt. Beide Familien gleichzeitig, beide Freundeskreise, beide Länder gleichzeitig geht einfach nicht.


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Hast du die 11. Klasse in Deutschland wiederholt?

Nein. Die Regelungen sind da aber von Bundesland zu Bundesland verschieden. Bei mir hatte die Schule schon vorher gesagt, dass ich weitergehen könne, das erste Halbjahr als Probezeit. Nachprüfungen wurden keine verlangt, nur in Ethik habe ich eine Feststellungsprüfung gemacht, da ich mit dem Gedanken spielte, in Ethik Abitur zu machen und dann wurde diese Prüfung verlangt.
Physik und Französisch habe ich abgewählt, es blieb also noch Mathe und Chemie zum Nachlernen. Mathe ist eigentlich das Fach, wo man es am meisten merkt, dass man nicht da war. Hier ist es wichtig, einiges nachzulernen, das geht aber! Natürlich war das 1. Halbjahr dann etwas härter für mich, aber man beißt sich durch. In Chemie (ich hab jetzt LK) wars kein großes Problem, habe mir einige Sachen mal durchgelesen, das wars. Für mich war es also wirklich überhaupt kein Problem, die 11. Klasse auszulassen (wobei ich auch vorher schon ziemlich gut in der Schule war). Auf den Stoff, den man in Brasilien macht, sollte man sich nicht unbedingt verlassen - manchmal passt es (in Bio haben wir in Brasilien den Stoff der 12. gemacht), aber oft nicht. Ich denke, jeder muss da selbst entscheiden, was für ihn richtig ist. Wenns nicht anders gegangen wäre, hätte ich die 11. Klasse auch wiederholt, das wäre mir mein Austauschjahr wert gewesen.


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Sonstiges

Wo platzieren die Organisationen?

Oft stellen mir Leute diese Frage, ich kann relativ wenig dazu sagen. Nur soviel: Bitte keine zu großen Hoffnungen auf direkt am Strand machen. Brasilien hat zwar viel Küste, aber auch noch ganz schön viel Hinterland! So weit ich weiß wird fast überall platziert - fast. Amazonien ist sicherlich nicht sehr häufig, genauso wenig das Sertao, das bitterarme Hinterland des Nordostens. Ein Großteil wird im Süden und Südosten platziert, Ballungsgebiet der Städte, aber viele auch in Kleinstädten (wie Ouro Branco z.B.). Natürlich kann man auch Glück haben und direkt in Salvador landen.
Wobei ich persönlich finde, dass der Ort nicht wichtig ist. Wichtig ist, wie ihr euch mit der Familie versteht, ob ihr Freunde findet, wie ihr euch einlebt. Egal ob mit oder ohne Meer vor der Haustür. Auch in so einem "langweiligen" Ort wie Ouro Branco, der eigentlich kaum etwas zu bieten hat kann man sehr sehr glücklich werden :).


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Malaria-Prophylaxe

Wird von den Organisationen nicht verlangt und ist laut Aussage der  Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. nicht notwendig, bis auf 3 Gebiete: Amapa, Rondônia und Roraima. Dort wird aber normalerweise nicht platziert. Malaria-Propylaxe ist nicht ganz harmlos und hat erhebliche Nebenwirkungen, es ist also nichts, was man "mal so" macht. Fragt am besten euren Arzt, der sollte da eigentlich Bescheid wissen. Und sonst fragt bei euren Organisationen nach. Ich hatte keine und das war auch gut so. Eine Karte mit gefährdeten Gebieten gibts hier.


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Hattest du Heimweh?

Bis auf Weihnachten - nein, nie. Anfangs passiert so viel, immer ist was los. Und wenn dann mal alles eingespielt ist und der Alltag eingekehrt ist, hat man sich schon eingelebt. Dann ist nicht mehr jeder Tag ein Abenteuer, es ist ein ganz normales Leben. Natürlich freut man sich, wenn man mal mit seinen Eltern in Deutschland telefoniert und Briefe aus Deutschland sind ebenfalls immer willkommen, aber von Heimweh war bei mir keine Spur. Ich habe meine Zeit sehr genossen.
In Deutschland hatte ich allerdings "Heimweh" nach Ouro Branco und Brasilien. Natürlich kann das ganz anders aussehen, und das ist auch normal so. Also keine Sorge - Heimweh geht vorbei. Freut euch an den Leuten, die ihr genau dann um euch habt, 1 Jahr ist viel zu schnell vorrüber.


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