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Brasilien 2005 

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Die große Pao de Qeijo - Reportage

Die muss einfach noch vor Semesterbeginn raus. Denn wenn das mal wieder läuft, hab ich für solche Sachen wahrscheinlich keine Zeit mehr. Oder keine Lust. Oder so ;-).
Ursprünglich dachte ich bei den Fotos der einzelnen Arbeitsschritte vor allem an meine brotbackverrückte Mama, aber vielleicht gibts ja auch sonst noch jemanden, den es interessiert. Ausprobieren lohnt sich - ich kenne bisher jedenfalls keinen, dem pao de queijo nicht geschmeckt hätte.



Aber erstmal - was heißt das überhaupt? Pao de Queijo heißt übersetzt eigentlich nur "Brot aus Käse" und ist ein traditionelles Gebäck aus Brasilien, genauer gesagt aus Minas Gerais, der Bundesstaat in dem ich gelebt habe.
Das Rezept enstand angeblich im 18. Jahrhundert, als (wahrscheinlich) Sklaven die einfacheren Polvilho-Kekse mit Käse anreicherten.
Polvilho (sprich: powiljo mit leicht nasalem o hinten *g*) ist Maniokstärke, ein Nebenprodukt bei der Herstellung von Maniokmehl (das als "farinha" ebenfalls seinen festen Platz in der brasilianischen Küche hat). In Brasilien gibt es süßen und sauren Polvilho, hier bekommt man über online-Shops meistens sowieso nur den sauren oder man benutzt geröstete Maniokstärke. Die heißt dann Tapiokastärke und man bekommt sie in Asia-Läden. Das sagt jedenfalls
wiki, ich selbst war mir auch nie so ganz sicher, was jetzt denn genau was ist ;-)
Von Minas breitete sich die Köstlichkeit dann über ganz Brasilien aus. Inzwischen findet man in jedem Supermarkt tiefgekühltes Pao de Queijo (die größte Firma "Forno de Minas" produziert 1,6 t pro Monat..) - von kleinen Bällchen bis zu etwas über-handtellergroßen Formaten. Auch in Bäckereien und Lanchonetes (Imbissbuden) bekommt man Pao de Queijo normalerweise.

Gegessen wird es immer wenn man Hunger hat ;-), typischiser Weise aber zum "Cafe da tarde" eine Art Nachmittags/Abendskaffee/Abendessen, das man ca. zwischen 5 und 7 zu sich nimmt. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, es zum Frühstück zu essen, in der Schulpause, bei Partys oder mal so zwischendurch *g*.

So, genug geredet, los gehts. Das Rezept stammt von meiner brasil. Mutter und ist laut ihr "das beste pao de queijo, dass sie je gegessen hätte". Sie hat meine volle Zustimmung - da kommt kein Fertigprodukt ran!

Pao de Queijo - brasil. Käsebrötchen



3 Eier
1 kg Polvilho azedo, ersatzweise Tapiokastärke
500 Gramm Queijo de Minas, gut trocken *
225 ml Wasser
225 ml Öl
675 ml Milch
1 geh. EL Salz

*Leider gibt es in Deutschland keinen "Minas-Käse", oft wird als Ersatz Parmesan verwendet. Meiner Meinung ist der allerdings zu geschmacksintensiv und kommt auch von der Konsistenz überhaupt nicht hin. Von der Konsistenz her würde gut abgetropfter, frischer Kuhmilchfeta (der vom Aldi..) hinkommen, eventuell gemischt mit Parmesan. Auch mittelalter Gouda wäre einen Versuch wert.
Und letztes Mal habe ich in einem türkischen Supermarkt einen Käse gesehen, der jedenfalls vom Aussehen her gut hinkommt. Die Testreihe muss ich noch starten, ich denke aber ich würde es mal mit Gouda oder Feta/Parmesangemisch versuchen.

So, genug den Kopf zerbrochen, ist mal ein Käse gefunden wird der gerieben und erstmal zur Seite gestellt.

Den Polvilho (das?) in eine große Schüssel geben, langsam das warme Wasser zugeben bis es nicht mehr staubt. Alle Klumpen gut zwischen beiden Händen verreiben. Das fühlt sich ziemlich komisch an und riecht noch komischer. Man verreibt aber so lange, bis die Stärke ganz fein ist. Das dauert..


Polvilho in der Schüssel


Milch, Öl und Salz zum Kochen bringen und sehr langsam nach und nach zur Stärke geben, dabei ständig rühren. Erst wird der Teig zäh-klumpig, nach weiterem Rühren wird er glatter und beginnt sich von der Schüssel zu lösen.


am Anfang..



..und am Ende


Die Eier im Mixer (für alle Nicht-Brasilianer tuts auch ein Handrührer ;-) ) gut vermixen, die Eiermasse nach und nach zu der Teigmasse geben und glatt rühren.


inzwischen sieht das ganze so aus


Den geriebenen Käse unterheben.


voilá


Um schöne Brötchen formen zu können den Teig für ca. 1 Stunde in den Kühlschrank stellen. Anschliessend lassen sich leicht Brötchen formen, die man entweder einfrieren oder gleich in den Ofen schieben kann.

Verzichtet man auf den Kühlschrank werden die Brötchen zwar vielleicht nicht ganz so gleichmässig schmecken aber genauso gut! Einfach Häufchen auf ein gefettetes Backblech setzen und backen, bis die Brötchen knusprig sind.


so sehen die Brötchen mit vorgekühltem Teig aus


Wir waren an dem Tag fleißig und haben den heißen Ofen ausgenutzt - so gabs auch noch "Pao de Leite condensado" - Brötchen, in deren Teig etwas gesüßte Kondensmilch kommt und Möhrenkuchen. So reich gedeckt sieht der Tisch also wirklich nicht alle Tage aus ;-)


na, Hunger bekommen? :)


Gar nicht mal soviel Aufwand, v.a. weil man ziemlich viele Brötchen bekommt, einen Teil isst man gleich, den Rest friert man ein und hat so ganz schnell was Leckeres zu Essen - vorausgesetzt man hat einen Backofen (woran dieses gesamte Unterfangen in meiner eigenen Wohnung auch schon wieder scheitert.. leider!)

Und ich glaub das wars dann wirklich mit den Brasilien-Nachberichten. Weiter gehts.. vielleicht im nächsten Jahr ;-).

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