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... und mein Leben danach
Juli 2002
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Beginnen möchte ich mit dem Ende des Brasilien-Tagebuchs, ist nur ein ganz kleiner Teil und beschreibt meinen 1. Schultag, wer das schon gelesen hat, fängt einfach etwas weiter unten zu lesen an. :-)
Der 1. Schultag wieder. Furchtbar. Ich
vermisse die Waerme, die Herzlichkeit der Brasilianer so. Alles so steril,
alles so kalt. Fuehle mich so verloren und fehl am Platz. Meine Freunde
versuchen alles und koennen doch nichts wirklich tun. Sie tun mir ja leid,
sie hatten mich so sehnlich herbeigewuenscht und jetzt kann ich einfach
nicht so gluecklich sein wie sie.
Der 2. Tag wird schon besser. Langsam werde ich
mich wieder eingewoehnen. Langsam. Jetzt ist das noch alles viel zu frisch.
Brasilien ist noch zu sehr in meinem Kopf. Ich fasse das alles noch gar
nicht so richtig. Und es wird noch etwas dauern bis sich das aendert.
Ich habe schon mit Emerson telefoniert. War so
als waer er ganz nah. Und doch so fern. Das wird noch schwieriger werden
und noch einige Traenen kosten. Wir wussten es ja. Und wollten es trotzdem.
Denn wie mit allem was passiert ist gilt: Es
hat sich mehr als gelohnt. Dieses Jahr war das allerbeste was ich je in
meinem Leben gemacht habe. Und egal was danach ist, die Zerissenheit und
Unsicherheit, nichts, kein Preis ist zu hoch fuer dieses Jahr.
Das will ich allen sagen die nur daran denken
so ein Jahr im Ausland zu verbringen - Macht es! Diese Chance habt ihr
nicht oft im Leben.
26. Juli 2002
Jetzt sind es also schon 26 Tage, die ich wieder hier in Deutschland bin.
Ich muss sagen, diese Sterilität, diese Kälte,
die mir ganz am Anfang so absolut störend aufgefallen ist, an die
habe ich mich (leider!!!) schon fast wieder gewöhnt. Man "vergisst"
wie das so in Brasilien war und diese Kälte wird wieder normal..
Emerson schreibt in einem Brief (nachdem ich
ihm davon erzählt hatte), das ich doch einfach beginnen solle, die
Menschen hier zu umarmen und so mit ihnen umzugehen, wie in Brasilien.
Aber ich glaube, das schaff ich nicht. Wär auch nicht so einfach.
Inzwischen hab ich 100 % kapiert, das ich mich
in Deutschland befinde. Am Anfang kam mir Brasilien nur wie ein Traum,
ein wunderschöner Traum vor. Doch auch das ist vorbei. Ich weiß,
das es kein Traum war. Sondern Realität.
Mir geht es soweit gut, aber ich vermisse Brasilien
so. "saudade" eben, dieses Wort, das es nur im Portugiesischen gibt
und wohl an "Sehnsucht" rankommt, irgendwie. Naja, jetzt fühle ich
was es ist.. Ich vermisse die Menschen, meine Familie, meine Freunde, den
Ort, die Feste, die Art der Brasilianer, meine Tanzstunden mit kräftigem
Hüftgewackele, vermisse Guaraná, pao de queijo, das Wetter
(unseren "Sommer" kann man ja bisher nicht wirklich als diesen bezeichnen)
und eben, klar, Emerson.
Wir haben schon ein paar Mal miteinander telefoniert. Und dann auch gar nicht soo kurz. Naja, dazu kommen dann noch Telefonate mit Lívia, meiner Mutter.. tja.. die erste Telefonrechnung seitdem ich wieder hier bin ist noch nicht da. Ganz gut vielleicht..
Das ist eben auch grad der Kontakt nach Brasilien: Telefon, E-Mails, ICQ und Briefe.. Klar, noch sind nicht alle versorgt, das wird noch etwas dauern. Aber ich freue mich immer total wenn ich was von jemandem höre!
Ansonsten nerve ich wahrscheinlich schon alle
mit meinem "Brasilien, Brasilien, Brasilien" Gequatsche. Meine CD-Sammlung
besteht praktisch zu 95 % (mind.!) aus brasilianischen CDs und ich bin froh,
das man auch die meisten Lieder im Internet zum Downloaden bekommt.
Mein Tagebuch schreib ich immer noch in portugiesisch.
Ich habe Angst, die Sprache zu vergessen. Aber noch ist es nicht
soweit. Wenn ich länger nicht Portugiesisch sprechen kann, dann vermiss
ich die Sprache so. Dann bleibt nur - mitt sich selbst reden (was ich dann
auch gelegentlich tu) oder einfach doch jemanden anrufen (mit sich selber
sprechen ist die weitaus kostengünstigere Methode..), wobei man sagen
muss, das auch diese Telefonate mit billig-Vorwahlen wirklich gut zahlbar
sind. Soo tragisch ists dann auch wieder nicht. :-)
In die Schule geh ich noch, tu aber nichts mehr, bald sind ja auch bei uns in Bayern endlich Ferien. Eine Entscheidung habe ich aber auch schon getroffen: ich habe meine Leistungskurse umgewählt. Statt Französisch mach ich jetzt Deutsch. Ersteres wär mir echt zu kompliziert geworden, schließlich hatte ich es 1 Jahr lang gar nicht. Sonst versuche ich vor allem Mathe nachzulernen. Der Rest wird schon gehen. Naja, ich versuchs halt mal, gleich in die K 12 zu gehen. Seh ja dann, ob es funktioniert.
Gut, das wars dann mal für heute mit dem
Zwischenbericht.
Manchmal kommt es mir vor, als hätte sich
so viel geändert, und gleichzeitig doch nichts. Ganz komisch. Naja,
dieses komische Gefühl wird eines Tages auch noch verschwinden..
Machts gut,
Eure Kathi